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Energiewende - So 
retten wir die Welt

Vernissage mit Bildern der Künstlerin Haike Burgardsmaier

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Die Krise dauert an

Michael Höng nimmt Stellung (22.01.2009)

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Die Krise ist auch eine Chance! Sie wird zwar voraussichtlich noch etwas andauern aber sie wird auch der Katalysator für viele positive Prozesse sein.

„Früher“ war die Welt in Ordnung. Die Unternehmer produzierten, so viel sie konnten, und wenn zuviel Ware auf dem Markt war, dann wurde sie mit einer Krise wieder weggeräumt. Diese Krise hat mit einer normalen Krise nichts gemeinsam. Im Gegenteil: Die Realwirtschaft war bis vor kurzem gesund. Die Nachfrage vor allem Asiens und anderer Schwellenländer war anhaltend hoch. Die Krise ist ausgebrochen, weil eine einzelne Branche, die allerdings eine zentrale Rolle spielt, versagt hat. Die Finanzwirtschaft ist das Herz der modernen Wirtschaft. Sie pumpt das nötige Geld bis in die hintersten Teile des Organismus. Vieles, wenn auch nicht alles, was es in den letzten Jahren getan hat, hat es auf der Suche nach schnellem Gewinn getan. Es hat heute ein Volumen, das dasjenige der Realwirtschaft um ein mehrfaches übersteigt.

Die Finanzwirtschaft schrumpft wieder, und das ist schmerzhaft. Hunderte von Milliarden lösen sich in Nichts auf. Sie fehlen. Die höheren Zinsen für Kredite und die strengere Kreditvergabe sind Folgen davon und haben die Wirtschaftskrise ausgelöst. Das Beängstigende an dieser Wirtschaftskrise ist, dass keiner weiss, wie sie sich auswirken wird. Weil die Ursache der Krise nicht in der Realwirtschaft selbst liegt, ist es auch schwer abzuschätzen, wer wie betroffen sein wird.

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Aber ganz so gesund, wie die Realwirtschaft sich bis vor kurzem gefühlt hat, ist sie nicht gewesen. Das kurzfristige Gewinnstreben, das die Finanzwirtschaft in die Krise geführt hat, hat auch hier Raum gegriffen. Der Turbokapitalismus, der nach dem Fall der Mauer von Amerika aus über die Welt gekommen ist, hat auch in der Wirtschaft Europas Einzug gehalten: nach Macht strebend, nach kurzfristigem Profit und mit wenig Blick für die Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt. Die Konzentration in immer weniger und immer grösseren Unternehmen im Fusionsfieber, die Auslagerung der Produktion an die Standorte mit den niedrigsten Löhnen, der Ausverkauf öffentlichen Vermögens – all das hat die Krise vorbereitet.

Der Blick auf den kurzfristigen Gewinn hat die externen Kosten dieses Turbokapitalismus ausser acht gelassen. Aber diese externen Kosten sind trotzdem da. So wurden die Fusionitis und die Jagd nach der Effizienz auf dem Rücken der eigenen Beschäftigten, der eigenen Gemeinwesen, der eigenen Umwelt ausgetragen. Wer nicht genug geleistet hat, wurde in die Frühpensionierung oder die Invalidenversicherung gedrängt. Die Förderung kleiner lokaler Vereine wurde durch das Sponsoring grosser medienträchtiger Events ersetzt. Kader hatten plötzlich keine Zeit mehr für das Milizsystem in Armee und Politik. Unternehmen wurden Profitmaschinen. Ohne die Zeit vor dem Turbokapitalismus glorifizieren zu wollen – Unternehmen und Unternehmer haben damals Verantwortung übernommen für die Gesellschaft. Ohne sie wäre die Schweiz nicht, was sie heute ist, ein erfolgreiches und wohlhabendes Land. Irgendwer hätte diese verwaiste Verantwortung wahrnehmen müssen. Oft ist es der Staat gewesen. Noch öfter ist niemand.
 
Ähnlich steht es mit der Globalisierung: Die Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer hat der Weltwirtschaft in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen riesigen und unverhofften Produktivitätsgewinn gebracht. Sie hat aber auch die Logistik und den Transport explosionsartig wachsen lassen. Deren externe Kosten sind noch lange nicht integriert, auch nicht in der Schweiz.
 
Ähnlich steht es mit den Privatisierungen: Sie haben vielerorts die Effizienz gesteigert. Sie haben mancherorts die Preise fallen und die Qualität steigen lassen. Aber sie haben auch den Staat geschwächt, nach dem jetzt um Hilfe gerufen wird.
 
Hinzu kommt: Die Umwelt präsentiert nun die Rechnung dafür, dass die Industriegesellschaft seit zweieinhalb Jahrhunderten über ihre Verhältnisse gelebt hat. Die Industriegesellschaft verbraucht mehr Ressourcen, als die Natur bereitstellen kann. Das betrifft die Energieträger, das betrifft das Wasser, das betrifft wohl auch den bebaubaren Boden, das betrifft die Aufnahmefähigkeit der Luft für Kohlendioxid. Die Verschleuderung der Ressourcen hält schon lange an. Aber die Hinwendung der einst sozialistischen Länder, China eingeschlossen, zur Marktwirtschaft hat den Verbrauch der Ressourcen anwachsen lassen. Nun wird ihre Endlichkeit spürbar. Die Krise, die das Wachstum hemmt, schafft kurzfristig Abhilfe. Aber das Problem wird damit nicht gelöst.
 
Der Kapitalismus hat eine Eigenschaft, die ihn von vielen andern Wirtschaftsformen unterscheidet: Er ist lernfähig. Diese Eigenschaft muss er jetzt ausspielen. Er muss wieder lernen, Verantwortung zu übernehmen. Er muss lernen, dass der Gewinn allein noch keine Aussage über den Unternehmenserfolg darstellt. Ein Unternehmen muss mit seinem Produkt, seiner Dienstleistung dazu beitragen, dass unsere gemeinsame Gesellschaft funktioniert. Erst wenn es das tut, hat es seine Aufgabe erfüllt.
 
Der Wandel hin zu einer Wirtschaft, die nicht mehr nur allein von der Jagd nach dem kurzfristigen Profit getrieben ist, sondern auch Verantwortung übernimmt für die Folgen, die ihr Tun hat für die Beschäftigten, die Region, das Land, die Umwelt, dieser Wandel wird lange dauern. Ganze Industrien werden verschwinden – wer braucht Benzinfresser aus den Autofabriken Detroits oder giftiges Billigstspielzeug aus China? Neue Industrien werden entstehen – sichtbar ist dies bereits in der Umweltindustrie und den erneuerbaren Energien. Die neuen Industrien werden nicht unbedingt dort entstehen, wo die alten verschwinden. Es werden sich blühende Landschaften neben Industriebrachen bilden. Das schafft neue Spannungen.
 
Der Wandel ist teuer, und deshalb wird die Krise lange dauern. Dieser Wandel wird denen nutzen, die flexibel sind, gut ausgebildet, global vernetzt und mit Kapital ausgestattet. Länder wie die Schweiz haben das Zeug dazu, einmal mehr zu den Gewinnern zu gehören. Haben sie damit Erfolg, dann tragen sie Verantwortung auch über ihre Grenzen hinaus.